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"Man muss sehr wach sein, um gut träumen zu können. Auch für ein Luftschloss kommt es auf den Architekten an." Karlheinz Deschner, deutscher Schriftsteller *1924

Treppen und Treppenhäuser

Stiefkind Treppenhaus

Im Leben geht es mal hoch, mal runter! Ich spreche heute jedoch nicht von den Höhen und Tiefen, die jeder Mensch im Leben durchmacht, sondern von den tatsächlichen Höhenunterschieden, die wir alle täglich überwinden. Wie viele es sind, merken wir meist erst, wenn unsere Bewegungsfreiheit aus irgendeinem Grund eingeschränkt ist. Dann werden die Stiefkinder Treppen, Stufen und Treppenhäuser plötzlich zu einem beachteten Thema. Fachliteratur für Architekten und Ingenieure füllen ganze Regale, und nur wenige andere Objekte im Wohnbereich sind durch Verordnungen so reglementiert, wie die Gestaltung von Treppen. Doch bei der Planung von privaten Wohnhäusern wird über die Verbindung der Geschosse miteinander meist nicht viel nachgedacht. Ich möchte deshalb einige Gedankenanstöße zum Thema geben, um zum Nachdenken über einen oft unterschätzten Teil unserer Wohnumgebung anzuregen:

Das tägliche Auf und Ab

Warum, wann, wie, wo, mit wem und womit gehe ich von einer Ebene zur anderen? Diese Fragen müssen vor der Planung einer Treppe/eines Treppenhauses beantwortet sein, wenn sie/es später nicht zum Ärgernis oder gar Hindernis werden soll.

Die Frage nach dem "Warum?":

Gehe ich von einem Stockwerk ins andere, um zwischen den verschiedenen Wohnräumen meines Hauses hin und her zu wechseln, und muss ich die Treppe mehrfach als "nicht zu änderndes Hindernis" überwinden? Ärgere ich mich manchmal, weil ich "schon wieder die Treppe hoch muss" um mal kurz ins Bad zu gehen oder etwas aus dem Kleiderschrank zu holen? Dann ist die Verteilung der Zimmer auf die verschiedenen Ebenen möglicherweise nicht gut durchdacht. Besser ist es, die Räume so anzuordnen, dass die Treppe verschiedene Bereiche miteinander verbindet und die Bewohner durch den auf- oder absteigenden Weg dorthin auf das Kommende eingestimmt werden und das gerade Getane hinter sich lassen.

Die Frage nach dem "Wann?":

Auch hier ist es mehr die Frage, welche Räume auf welcher Ebene liegen, wann es also nötig ist, die Stockwerke zu wechseln. Jeder kann für sich selbst entscheiden, was für seinen persönliche Lebensstil sinnvoll ist. Dazu ist eine Analyse der ganz persönlichen Lebensgewohnheiten und Arbeitsabläufe notwendig.

Die Frage nach dem "Wie?":

Gehen die Menschen auf der Treppe schnell oder langsam, fühlen sie sich sicher, oder müssen sie aufpassen, nicht zu stürzen, gehen sie die Treppe meist mit Schuhen oder eher in Strümpfen oder sogar barfuss? etc. Hier kann es um die Frage nach dem Material für die Treppe gehen. Soll es strapazierfähig und schmutzunempfindlich sein, oder soll es sich warm anfühlen. Ein zentraler Punkt ist auch, welches Gefühl die Treppe dem Menschen vermittelt. Fühlt sich der Weg nach oben/unten sicher an, oder schwingt die Treppe gar, oder lässt der Blick durch die Stufen hinab in einen dunklen Treppenschacht Unsicherheit aufkommen? Jede Treppe hat eine eigene Dynamik, d.h. sie lässt die Energie unterschiedlich fließen. Dieser Energiefluss hat einen entscheidenden Einfluss nicht nur auf denjenigen, der sie hinauf oder hinabsteigt, sondern sogar bereits auf den, der sie nur ansieht. Das kann jeder für sich selbst ganz einfach testen: Achten Sie einmal auf das spontane Gefühl, das sich einstellt, wenn Sie eine fremde Treppe erblicken. Lädt die Treppe zum hinauf/ hinuntergehen ein oder schreckt sie ab? Beobachten Sie sich selbst dabei, wie Sie die Treppe laufen. Gehen Sie in der Mitte oder am Geländer? Welche Geschwindigkeit wählen Sie ganz automatisch? Usw.

Die Frage nach dem "Wo?":

Erst vor wenigen Tagen erzählte eine Frau mir folgende Geschichte: "Ich hätte ja gerne die Treppe im Wohnraum gehabt. Doch als mein Mann und ich vor 13 Jahren gebaut haben, waren wir noch jung und ließen uns von Anderen zu viel beeinflussen. Mein Vater war der Meinung, dass ein separates Treppenhaus vernünftiger sei, damit man später mal zwei getrennte Wohnungen machen könne. Jetzt denke ich mir oft, ich hätte mich durchsetzen sollen. Ich könnte jetzt schon 13 Jahre lang so wohnen, wie ich es eigentlich wollte. Ob das Haus jemals in zwei Wohnungen geteilt wird, weiß ich nicht. Und wenn man umgestaltet, kann man das mit dem Treppenhaus dann auch noch ändern."

Die Frage nach der Platzierung der Treppe ist entscheidend für die Gliederung des Hauses und die Abläufe des täglichen Wohnens. Und an dieser Stelle sei auch noch ein Wort zum Umbauen gesagt: Viel Geld, Zeit und Arbeit wird häufig in die Renovierung und Umgestaltung älterer Häuser gesteckt. Meist dann, wenn Kinder selbst Familie gründen und das Elternhaus zum Zweifamilienhaus wird. Das Treppenhaus muss dabei in die Planung einbezogen werden, denn es kann sinnvoll sein, es an einen anderen Platz zu verlegen oder zu erweitern.

Die Frage nach dem "Mit Wem?":

Wird eine Treppe ausschließlich privat genutzt, führt sie also beispielsweise ins Schlafzimmer oder von einem eher öffentlichen Bereich wie dem Eingangsraum zu einem persönlichen Büro, so soll sie auf Fremde gar nicht einladend wirken. Umgekehrt soll eine Treppe im Eingangsbereich nicht nur die Bewohner sondern auch die Besucher des Hauses in den Wohnbereich geleiten. Es ist also durchaus sinnvoll einmal darüber nachzudenken, für wen die Treppe gebaut werden soll.

Die Frage nach dem "Womit?":

Diese Frage hat einen sehr praktisch orientierten Aspekt. Es wäre doch schade, wenn erst beim Einzug ins neue Haus festgestellt würde, dass die Möbel nicht durchs Treppenhaus passen, und dass man mit einem Karton in der Hand große Mühe hat, unfallfrei die Barriere Treppe zu überwinden! Denken Sie mal darüber nach, wie oft Sie mit einem Einkaufs- oder Wäschekorb in den Händen, einem Kind auf dem Arm oder anderen Dingen Treppen auf und ab gehen. Für wen bereits der Transport des Staubsaugers von einem Stockwerk ins andere eine zirkusreife Nummer darstellt, der sollte mal über die Umgestaltung seiner Treppe nachdenken.

Das Tüpfelchen auf dem "i" oder der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt: Das Treppengeländer.

Damit das Treppengeländer das Tüpfelchen auf dem "i" wird, sollte es sich harmonisch an die Treppe anfügen und die dadurch entstehende Dynamik passend gewählt sein. Eine Treppe ist ein Objekt im Raum, ähnlich einem Möbelstück. Deshalb sollten funktionale und ästhetische Elemente sich optimal ergänzen. Doch viele Treppengeländer bringen eher das Fass zum Überlaufen. Sicher kennen Sie die Treppen, bei denen die Stufen an der Außenseite so tief sind, dass dort die Weihnachtskrippe Platz gefunden hat, und auf der Innenseite nicht einmal mehr einem Kinderfüßchen Platz bieten. Leider befindet sich aber der "helfende" Handlauf oft nur auf der Innenseite, nämlich dort, wo diese Treppen fast nicht mehr begehbar sind.

Und noch etwas:

Vermeiden Sie es, sich selbst Barrieren auf der Treppe zu errichten: Blumenvasen, Dekogegenstände und Schuhe gehören dort nicht hin.

Redaktion:

Maria Theresia Kalem - Journalistin

Norman Heimbrodt - Architekt