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"Man muss sehr wach sein, um gut träumen zu können. Auch für ein Luftschloss kommt es auf den Architekten an." Karlheinz Deschner, deutscher Schriftsteller *1924

Tepidarium

Ein Hauch von Luxus

Entspannen, Stress abbauen, Wellnes, gesundes Leben: Das sind die Schlagwörter unserer Zeit und irgendwie sehnt sich jeder danach. Doch wo entspannen wir eigentlich, wenn wir zu Hause sind? Im Wohnzimmer auf dem Sofa, wo uns die Fernbedienung dazu verführt, zwischen den zahlreichen Programmen zu „zappen“  oder haben wir ein wirklich ruhiges Plätzchen für den persönlichen Rückzug? Paradoxerweise verlassen viele Menschen ihre eigenen vier Wände, um anderswo quasi professionell organisiert zu entspannen (z.B. in einer öffentlichen Sauna).

Doch wir brauchen zu Hause einen Platz der Erholung und Entspannung.

Natürlich gibt es viele  Möglichkeiten, solche Ruheoasen in der eigenen Wohnung zu schaffen (z.B. den Fernseher ein paar Wochen in den Keller stellen und das Telefon abends auch mal abschalten!). Doch heute soll es um ein Stück „eingebaute“ Wellness im eigenen Haus gehen: Ein Wärmeraum mit vielen Nutzungsmöglichkeiten – das Tepidarium bzw. Caldarium.

Alles nur heiße Luft?

Nein, im Tepidarium/Caldarium nicht. In diesen Warm- und Heißräumen erwärmt sich der Körper durch Wärmestrahlen wie im Sonnenlicht. Damit unterscheiden sich diese Entspannungs- und Schwitzräume grundlegend von einer Sauna, in der der Körper durch heiße Luft zum Schwitzen gebracht wird.

Tepidarium/Caldarium – was ist das?

Sehr beliebt war es bei den Römern. Sie waren feste Bestandteile ihrer Badehäuser. Grundsätzlich werden in beiden Räumen die Wände, Fußböden und Sitz- bzw. Liegeflächen erwärmt. Diese geben dann Strahlungswärme im Infrarotbereich ab (wie ein Kachelofen) und erwärmen nicht die Luft, sondern nur feste Körper. Und darin liegt der Grund, warum diese Wärme- und Heißräume auch für Kinder und ältere Menschen geeignet sind oder für diejenigen, denen beispielsweise die heiße Luft in der Sauna nicht bekommt. Die Wärmestrahlung regt die Durchblutung an, dringt tief in den Körper ein und entspannt somit die Muskeln, ohne den Kreislauf übermäßig zu  belasten.

Die Räume können mit unterschiedlicher Temperatur genutzt werden:

Erholung und Entspannung (zum Beispiel mit einem guten Buch oder bei meditativer Musik) bietet das Tepidarium. Bei einer Temperatur von 30 bis 40 Grad gibt es praktisch keine Zeitbegrenzung und auch ein täglicher Aufenthalt ist ohne Probleme möglich.
Wer schwitzen und damit entschlacken möchte, wählt einen Temperaturbereich von 45 bis 60 Grad im Caldarium. Dreißig bis sechzig Minuten beträgt dann die durchschnittliche Verweildauer.
Doch was einem persönlich gut tut, wird man nach einigen Probeläufen bald herausfinden, denn die Temperatur kann gezielt gesteuert werden.

Doch die täglichen Nutzungsmöglichkeiten sind vielfältig und ein Wärmeraum bietet im Alltag immer wieder den kleinen Luxus. Ein Tepidarium heizt sich rasch auf und kann auch den ganzen Winter über auf Temperatur gehalten werden, um eine Wärmeoase in der Wohnung zu haben. Es gibt zahlreiche Situationen, in denen man diese einfach gut gebrauchen kann:

  • um sich nach einem Winterspaziergang dort schnell einmal aufzuwärmen

  • Kinder lieben es, sich in einem kuschelig warmen Raum aus- und umzukleiden

  • wer nach dem Aufstehen noch friert, weil er müde ist, wird sich über die Wärme freuen, ohne das ganze Badezimmer stark aufheizen zu müssen

  • ein idealer Raum zur Babypflege und Babymassage

Übrigens:

Es soll Hausfrauen geben, die gönnen sogar dem Hefeteig für ihren Kuchen einen kleinen Aufenthalt, dann geht er einfach besser.

Wohin mit dem Tepidarium/Caldarium?

Wer einen Neu- oder Umbau plant kann einen Wärmeraum von Anfang an mit einplanen. Praktisch und schön ist es, ihn in den Badezimmerbereich zu integrieren. Auf jeden Fall empfehle ich aber die Nähe zum Wohnbereich und rate davon ab, solche „Sonderausstattungen“ in den Keller zu verbannen. Dort fristen sie nämlich häufig ein ungenutztes Dasein. Ideal ist es, einen Ausgang nach draußen mit einzuplanen. Ein kühles Luftbad in einem einsichtgeschützten Innenhof oder Gartenteil kann nach dem Schwitzen besonders belebend wirken.
Auch in vorhandenen Häusern findet sich mit etwas Phantasie oft ein Plätzchen, denn schon zwei bis drei Quadratmeter können für ein Mini-Tepidarium/Caldarium ausreichen. Der Platz-bedarf ist wesentlich geringer als für eine Sauna, da kein Ofen nötig ist und auch eine Liegefläche nicht zwingend vorhanden sein muss. Der Wärmeraum  kann daher auch von einem geräumigen Schlafzimmer abgeteilt werden oder findet Platz in einem umfunktionierten Abstellraum. Wer es sich größer wünscht hat vielleicht die Möglichkeit, ein kaum noch genutztes Zimmer umzubauen.
Das Tepidarium/Caldarium muss nicht  zwingend ins Badezimmer integriert werden, weil kein Wasseranschluss benötigt wird und es sich um einen Trockenraum handelt.
Beheizt werden kann der Wärmeraum über die Zentralheizung. Wünschenswert ist ein eigener Heißwasserkreislauf mit einer hohen Vorlauftemperatur zur gezielten Wärmeregulierung.

Noch ein Gedanke zum Schluss:

Ein Plätzchen für eine Wärmeoase findet sich im Haus oder der  Wohnung, sobald der Platz in unserem Kopf dafür frei ist. Wir sind es vielleicht noch nicht gewohnt, den Platz für Rituale der Entspannung, Reinigung und Gesundheitsförderung in unsere Häuser zu integrieren.  Doch eines ist klar: An schöne Dinge gewöhnt sich der Mensch sehr schnell.

Tipp:

Ätherische Öle und Düfte können den entspannenden oder anregenden Effekt, der im Tepidarium/Caldarium gewünscht wird noch verstärken. Einige Tröpfchen Lavendel in der Duftlampe und leise Musik oder Naturgeräusche im Hintergrund können uns bei geschlossenen Augen eine kleine Reise in den Süden antreten lassen. Und das mal so eben kurz nach Feierabend und mitten im deutschen Winter! Erlaubt ist, was gefällt. Aber achten Sie auf die Qualität der eingesetzten Duftmischungen.

Buchtipp:

Bewährte Aromamischungen von Ingeborg Stadelmann.
Ein Buch über ätherische Öle. Mit Beschreibungen und Rezepturen für Duftmischungen und was man sonst noch damit anstellen kann.
Stadelmann-Verlag, ISBN 3-9803760-1-X

Redaktion:

Maria Theresia Kalem - Journalistin

Norman Heimbrodt - Architekt