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"Man muss sehr wach sein, um gut träumen zu können. Auch für ein Luftschloss kommt es auf den Architekten an." Karlheinz Deschner, deutscher Schriftsteller *1924

Nie mehr dicke Luft

Sinnvolle Lüftungsanlagen schaffen Abhilfe.

Ohne Luft geht uns die Luft aus! Natürlich weiß jeder, dass der Mensch zum Leben ausreichend Sauerstoff braucht, und dass frische Luft gesund ist und munter macht. Doch oft ist es gar nicht so einfach, in der eigenen Wohnung immer für eine gute Raumluftqualität zu sorgen.

Es fängt schon damit an, dass wir nicht alle regelmäßig zu Hause sind, um so oft zu lüften, wie es empfohlen wird: ca. sechs mal Stoßlüften der gesamten Wohnräume jeden Tag! Und das ist dann häufig der Auslöser für grundsätzliche Fehler. Die Fenster werden gekippt und mehrere Stunden oder sogar den ganzen Tag nicht wieder geschlossen. Zum einen stellt ein solch halbgeöffnetes Fenster immer eine Versuchung für Diebe und Einbrecher dar, zum anderen erfolgt aber kein Luftaustausch in der gewünschten Weise. Meist wird während der Heizperiode mehr Wärme nach draußen abgegeben als nötig wäre, und der größte Nachteil liegt darin, dass die Wände, Fußböden und sogar die gesamte Einrichtung stark auskühlen. So kann sich Feuchtigkeit an den kalten Stellen niederschlagen und schlimmstenfalls Schimmel entstehen. Nicht oder nur einmal am Tag zu lüften, weil niemand im Haus ist oder der Wärmeverlust gefürchtet wird, ist allerdings genau so falsch.

Lassen Sie Ihr Haus atmen

Eine geregelte Lüftungsanlage kann mit relativ wenig Aufwand viel Wirkung erzielen. Ich empfehle Systeme, die verbrauchte oder feuchte Luft aus dem Gebäude aktiv herausziehen und gefilterte Luft durch den entstehenden Unterdruck passiv einströmen lassen. In der Praxis heißt das: Feuchträume, also Bäder, WCs und Küchen werden entweder mit leistungsfähigen Ventilatoren ausgestattet, oder ein zentraler Lüfter saugt die Luft über ein Rohrsystem ab. Frische Luft strömt dann von alleine durch Wandöffnungsventile in Außenwänden der Wohnräumen nach. Diese Lüftungsanlagen laufen in der Regel mit Programmautomatik, die aber einen individuellen Eingriff für besondere Situationen zulässt. Das kling vielleicht zunächst etwas kompliziert, ist aber in der Praxis ganz einfach:

Familie Mustermann zeigt wie´s geht

Familie Mustermann hat ihre neu eingebaute Lüftungsanlage auf ihre Lebensgewohnheiten abgestimmt: Morgens, wenn Herr und Frau Mustermann unter die Wachmacherdusche springen, wird die Luft aus dem Badezimmer abgesaugt. Wenn sie anschließend in die Küche kommen, so ist dort schon angenehm gelüftet, da die Anlage bereits ein wenig vor den Mustermanns munter war. (Denn wer möchte schon gerne morgens noch den Geruch des vergangenen Abendessens vorfinden?) Wenn ein wenig später Mustermanns Musterkinder ihre Morgentoilette erledigen, finden sie ein angenehm gelüftetes und trotzdem warmes Badezimmer vor. Früher sah das oft anders aus. Da hatte Papa entweder dicke Luft hinterlassen oder Mama vergessen, das Fenster wieder zu schließen. Dank der neuen Lüftungsanlage gehören diese kleinen Ärgernisse der Vergangenheit an. Und während all dieser morgendlichen Aktivitäten strömte bei Mustermanns kontinuierlich frische, staub- und pollenfreie Luft durch die Lüftungsventile der Wohnräume ein. Frau Mustermann hat jetzt auch in der ohnehin morgens knappen Zeit eine Aufgabe weniger zu erledigen. Sie muss nicht mehr, bevor sie die Kinder zur Schule und dann selbst zur Arbeit fährt, "noch eben schnell" die Fenster auf- und dann auch sicher alle wieder zu machen. Frisch gelüftet ist es ebenfalls später, wenn am Nachmittag die Mustermanns alle wieder nach Hause kommen. Dann hat die gut programmierte Lüftungsanlage bereits für frische Luft gesorgt. Wird in der Küche das Essen gekocht, zieht die Anlage selbstverständlich die feuchte und verbrauchte Luft sofort ab, und aus den Wohnräumen strömt bereits vorgewärmte in die Küche nach. Diese Vorgänge laufen jeden Tag automatisch ab. Und wenn die Mustermanns mal viel Besuch bekommen und feiern oder wenn es außerplanmäßig dicke Luft gibt, dann genügt ein Knopfdruck und das "Partyprogramm" der Anlage wird aktiv. Natürlich können auch die Lüftungsventile, durch die die Frischluft einströmt, per Hand geschlossen werden, wenn es den Mustermanns mal zu viel wird.

Viele Vorteile - wenig Aufwand

  • Der Einbau einer wie eben beschriebenen Anlage ist verhältnismäßig wenig aufwendig im Gegensatz zu einer Anlage mit Wärmerückgewinnung.

  • Auch die Wartung ist wenig aufwendig. Circa einmal im Jahr müssen die Filter in den Lüftungsöffnungen ausgetauscht bzw. gereinigt werden. Übrigens: All der Staub und die Pollen, die sich darin befinden, landen nicht in den Wohnräumen. Für Pollenallergiker liegt hier ein großer Vorteil. Und alle, die nicht gerne Staub wischen, haben sich auch ein bisschen Arbeit gespart.

  • Geregelte Abluftanlagen stellen kein Risiko bezüglich der Raumlufthygiene dar. Anlagen mit Wärmerückgewinnung können unter Umständen in diesem Punkt problematisch sein. Bei ihnen ist es schwierig, die Rohre, die die aufbereitete Luft wieder in den Wohnraum führen, gründlich zu reinigen. Mit der Zeit können sich in diesem System Keime entwickeln, die dann in die Raumluft geleitet werden. Die Rohre von reinen Abluftanlagen befördern die Raumluft nur nach außen und sind deshalb unproblematisch, auch wenn sie nicht regelmäßig gewartet werden.

  • Geregelte Lüftungsanlagen können außerdem kostbare Wärmeenergie einsparen. Durch zu lange geöffnete Fenster geht zu viel teuer aufgeheizte Raumluft verloren.

  • Offene Fenster und Türen stellen ein Sicherheitsrisiko dar. Immer wieder werden gerade gekippte Fenster vergessen und stehen dann stunden- oder tagelang offen.

  • Auch während einer längeren Abwesenheit - zum Beispiel aufgrund eines Urlaubs oder Wochenendausflugs - ist ein geregelter Luftaustausch gewährleistet, und wer nach Hause kommt, findet keinen muffigen Geruch vor.

  • Lüftungsanlagen können vor Lärm schützen. Wer nicht das Glück hat, in einer ruhigen Gegend zu wohnen, für den kann das Lüften bei geöffnetem Fenster zu einem akustischen Problem werden.

Tipp:

Geregelte Abluftanlagen können auch in bestehende Häuser und Wohnungen ohne viel Aufwand eingebaut werden. Der Fachmann errechnet genau, wie viel Kubikmeter Luftvolumen ausgetauscht werden müssen und sucht die passenden Plätze für Absaugventilatoren und Lüftungsrohre aus.

Auch der inVENTer ist ein sehr interessantes System. Diese Anlage kommt ohne Rohrinstallation aus.

Redaktion:

Maria Theresia Kalem - Journalistin

Norman Heimbrodt - Architekt