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"Man muss sehr wach sein, um gut träumen zu können. Auch für ein Luftschloss kommt es auf den Architekten an." Karlheinz Deschner, deutscher Schriftsteller *1924

Spielen - schlafen - arbeiten

Das Kinderzimmer - ein Raum mit vielen Funktionen

Wer für sich ein Haus oder eine geräumige Wohnung baut, der richtet sich ein Wohn-, Ess-, Schlaf- und Arbeitszimmer ein und gönnt sich in vielen Fällen noch den Luxus eines Ankleide-, Hobby- und Abstellraumes. Für jeden Lebensbereich wünscht sich der moderne Mensch ein eigenes Zimmer! Vor diesem Hintergrund betrachtet wird deutlich, dass ein Zimmer für Kinder einige dieser anfangs aufgezählten Funktionen in sich quasi als Multitalent vereinigen sollte. Eine Anspruchsvolle Aufgabe wie ich meine. Ich möchte deshalb im Folgenden die Hauptfunktionen eines so genannten "Kinderzimmers" betrachten und ein paar praktische Tipps geben. Wer jetzt glaubt, dass das Thema nichts für ihn ist, weil er keine Kinder hat, der irrt. Die Überlegungen lassen sich – mit kleinen Einschränkungen – auch auf "Ein-Zimmer-Appartements", kleine Einliegerwohnungen oder Gästezimmer übertragen.

Kinderzimmer = Schlafzimmer

"Schön wär´s" werden sich jetzt einige Eltern denken und zugegeben auch ich weiß aus eigener Erfahrung, dass Kinder nicht immer dann schlafen, wenn Mutter und Vater sich das wünschen und dass sie ihren Schlafplatz auch sehr eigenwillig wählen können.

Wichtig ist es mir, den Blick darauf zu lenken, dass ein Kinderzimmer – schon allein vom zeitlichen Aspekt her betrachtet – in erster Linie zum Schlafen da ist. Je nach Alter sind es acht bis 12 Stunden täglich, die ein Kind in seinem Bett verbringt! Deshalb sollten sich alle anderen Funktionen diesem besonders wichtigen Erholungsaspekt unterordnen. In der Praxis bedeutet das, dass alle störenden Faktoren im Kinder(-schlaf)zimmer nichts zu suchen haben:

Vorsicht Elektrosmog !

  • Nachtlampen für kleinere Kinder, die nicht im Dunkeln schlafen wollen nicht in direkter Nähe zum Bett aufstellen

  • alle Arten von elektrischen und elektronischen Geräten sollten nicht im Kinderzimmer aufgestellt werden

  • keine Telefone – besonders keine schnurlosen Funktelefone oder Handys im Zimmer installieren oder herum liegen lassen

Wer bereits ältere Kinder oder jugendliche Mitbewohner hat, der weiß natürlich, dass es schwer sein kann, all diese Dinge in der Praxis umzusetzen. Wer neu baut oder grundlegend umbaut, sollte deshalb überlegen, die Fernseh-, Computer- und Telefonanschlüsse für die Geräte der Kinder an einem anderen Ort zu installieren. Vielleicht ist es ja möglich, ein kleines Schlafzimmer und ein weiteres "Multifunktions-Kinderzimmer" einzurichten, das außerdem von mehreren Kindern gemeinsam genutzt werden kann. Wichtig ist es, alte Gewohnheiten über Bord zu werfen, und zu überlegen, was für die Kinder wirklich von Bedeutung ist und was dem Familienalltag entspricht.

Wer beim Thema Elektrosmog schnell und ohne viel Aufwand etwas unternehmen möchte, der hat immer die Möglichkeit einfach den Stecker der Geräte aus der Dose zu ziehen. Vor dem Schlafengehen ist das ein kleiner Handgriff, der der Nachtruhe zu Gute kommt. Wer´s etwas luxuriöser mag, der sollte sich schaltbare Steckdosen installieren lassen.

Unsichtbare Luftverpester: Schadstoffe

Nicht nur störend sondern sogar schädlich wirken sich außerdem Schadstoffe in Kinderzimmern aus. Selbstverständlich gilt das für das ganze Haus. Gesundes Wohnen beinhaltet immer eine sorgfältige Auswahl aller Baumaterialien. Doch Schadstoffe können auch in Textilien, Bettwaren, Plastikgegenständen und Möbeln lauern und für dicke Luft sorgen. Schauen Sie einmal genau hin, was so alles im Kinderzimmer gelagert wird. Schadstoffe können auch enthalten sein in: Plastikspielzeugen, Plüschtieren, Schuhen, Kleidung, Matratzen, Möbeln etc. Ein Tipp: Die Masse macht´s! Sortieren Sie mit ihrem Kind von Zeit zu Zeit und reduzieren Sie mögliche Schadstoffquellen. Das schafft außerdem Ordnung.

Ein Raum zum Mitwachsen

Ein zentraler Aspekt bei der Einrichtung von Kinderzimmern ist die Flexibilität, die sie behalten sollten. Kinder entwickeln sich sehr schnell und ihre Bedürfnisse verändern sich rasch. Dieser Abschnitt soll keinesfalls ein Plädoyer für "mitwachsende Möbel" sein, die die Industrie den Eltern nur zu gerne verkaufen möchte. Im Gegenteil. Kinderzimmer müssen immer wieder verändert werden und das ist um so leichter, je weniger starre und große Gegenstände sich darin befinden. Weniger ist hier mehr.

Ein Wort zum Thema Ordnung

Unordnung im Kinderzimmer ist in vielen Familien ein Dauerstreitthema. Das liegt zum Einen daran, dass Kinder unter Ordnung oft etwas anderes verstehen als Erwachsene. Zum anderen ist es Kindern aber auch nur dann möglich Ordnung zu lernen und zu halten, wenn jeder Gegenstand in ihrem Zimmer einen Platz hat. Ist die Unordnung wieder einmal zu groß geworden, sollten sich Eltern fragen, ob das Kind mit der Menge an Gegenständen in seinem Zimmer möglicherweise überfordert ist.

Redaktion:

Maria Theresia Kalem - Journalistin

Norman Heimbrodt - Architekt