| norman heimbrodt architekt |
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"Man muss sehr wach sein, um gut träumen zu können. Auch für ein Luftschloss kommt es auf den Architekten an." Karlheinz Deschner, deutscher Schriftsteller *1924 Ein Örtchen für die Gäste Oder wer nutzt eigentlich Ihr Gäste-WC? Mal angenommen, es gäbe eine Art Lexikon oder Nachschlagewerk rund um unsere mitteleuropäische Art zu wohnen. Dann könnte sich unter dem Stichwort "Gästetoilette" dieser oder ein ähnlicher Eintrag finden: Gästetoilette: die -, separater Toilettenraum in der Nähe des Wohnbereiches, meist mit dazugehörigem Waschbecken ausgestattet. Die G. wurde nach dem 2. Weltkrieg modern, als die Wohnhäuser insgesamt an Größe und Komfort gewannen. Sie wurde ursprünglich als Toilette für Besucher eingerichtet, um sie vom eigentlichen Badezimmer des Hauses fernzuhalten. Durch ihre meist unmittelbare Nähe zu den Wohnräumen entwickelte sie sich im Laufe der Zeit jedoch zum meistgenutzten Toilettenraum des Hauses. Ihre Bezeichnung als "Gästetoilette" hat sie allerdings beibehalten. Was wird wirklich gebraucht? Vermutlich wird zwar niemand ein Nachschlagewerk mit solchen für uns banal klingenden Schlagwörtern auf den Markt bringen, doch das mit etwas Augenzwinkern ausgedachte Beispiel soll deutlich machen, dass es zwar selbstverständliche ist, eine so genannte Gästetoilette in seinem Haus oder der Wohnung einzubauen, doch dass das eigentliche Konzept, das dahinter steht, oft einen Haken hat. Auch ein wenig beachtetes Örtchen sollte in der Planungsphase ausreichend Augenmerk bekommen. Folgende Fragen können eine Hilfestellung zum Nachdenken über das eigene Wohnkonzept sein:
Zahlreiche Lösungsmöglichkeiten Es gibt weitaus mehr Möglichkeiten, als ein Haus mit einer Gästetoilette gleich neben der Eingangstür und einem Familienbad im Obergeschoss auszustatten. Mein Ziel ist es, Ihre Aufmerksamkeit auf Ihre Bedürfnisse zu lenken. Deshalb hier ein paar Tipps für die Praxis: Auf jeder Etage eine Toilette im Haus zu haben ist sicherlich ein angenehmer Luxus und heutzutage auch durchaus üblich. Die Frage ist nur, was sich in dem Raum noch befindet. Handelt es sich um einen zentralen Toilettenraum, der von allen Personen aufgesucht wird, macht es Sinn, außer einer Toilette und einem Waschbecken auch ein Urinal zu installieren. Der ewige Streit zwischen den Geschlechtern könnte damit ein gütliches Ende finden. Auch ein Bidet kann in diesen Raum sinnvoll integriert werden. Am Rande bemerkt: Ein Bidet kann nicht nur für seine eigentliche Bestimmung genutzt werden. Es ist auch ein praktisches Waschbecken für Kleinkinder. Es hat für sie die richtige Höhe, und sie können sich schon frühzeitig alleine die Hände waschen oder die Zähne putzen, ohne auf ein wackliges Fußbänkchen klettern zu müssen. Und auch für alle, die aus dem Füßewaschen keine Turnübung machen möchten, leistet ein Bidet gute Dienste. Ein separater Toilettenraum lässt sich auch mit dem Badezimmer – in dem die Toilette dann gespart werden kann – durch eine Tür verbinden. So kann beispielsweise der eine Teil auch die Funktion einer Gästetoilette übernehmen und spart damit Platz und Kosten. Atmosphäre – auch für eine Toilette wichtig Die Gestaltung des Toilettenraumes ist von zentraler Bedeutung für das Raumgefühl, das jeder beim Betreten mehr oder weniger bewusst empfinden wird. Kernfrage ist dabei: Wohin mit dem wichtigsten Teil, dem WC? Natürlich sollte ein neuer Gast es nicht erst im Raum suchen müssen, doch es ist wünschenswert, dass der Blick nicht sofort auf die Toilette fällt, sobald die Tür geöffnet wird. Das ist besonders dann von Bedeutung, wenn ein WC in der Nähe des Flures, der Diele, des Esszimmers oder eines ähnlich häufig genutzten Bereiches liegt. Ist die Tür (zufällig) einmal nicht geschlossen, wird das Toilettenbecken zum unerwünschten Blickfang. Bei Besuchern entsteht außerdem das unangenehme Gefühl des "entdeckt-werden-könnens", sollte unabsichtlich jemand hereinkommen. Damit ist bereits ein wichtiger Punkt angesprochen, den sich jeder Toilettenbesucher wünscht, nämlich das Gefühl, mit sich alleine zu sein. Schön ist es deshalb, nicht nur unerwünschte Einblicke durch Fenster oder Türen zu verhindern, sondern den Raum auch außer Hörweite der anderen zu platzieren. Welcher Gast möchte schon vor den Augen der restlichen Abendgesellschaft hinter einer Tür verschwinden, von der er genau weiß, dass auch die leisesten Tönchen draußen zu hören sein werden? Zur angenehmen Atmosphäre gehört selbstverständlich auch der Eindruck von Sauberkeit. Manche Menschen gehen sogar so weit, die Gästetoilette als die Visitenkarte des Hauses zu bezeichnen. Bei der Auswahl der Materialien tut sich der Eigentümer deshalb einen Gefallen, wenn er sich für pflegeleichte Dinge entscheidet, die auch nach einmaligem Händewaschen noch gut aussehen. Edelstahl und Glas entfalten ihre Wirkung meist nur frisch geputzt. Auch die Einrichtung sollte durchdacht sein, so dass Zubehör wie Putzmittel, gelagerte Toilettenpapierrollen etc. in einem Schrank verschwinden können. Schön ist es hingegen für Gäste, leichten Zugriff auf saubere Handtücher zu haben und auch zu wissen, wo sie sie nach dem Gebrauch ablegen können. Platz für Individualität Wer einen Toilettenraum nicht nur für die Gäste, sondern auch für sich selbst einrichtet, kann durchaus seinen persönlichen Vorlieben Platz bieten. Warum soll es nicht eine Ablage für Zeitschriften oder kleine Lektüre auf der Toilette geben? Und wer lieber nach draußen schaut, als die Fliesen auf der gegenüberliegenden Wand anzustarren, der kann auch das Fenster so platzieren, dass es ihm eine schöne Aussicht gewährt. Die eigenen Lebensgewohnheiten sind maßgebend Selbst bei einem Thema wie der Gästetoilette zeigt sich, dass es nicht die Lösung für alle gibt, sondern dass die eigenen Lebensgewohnheiten der Maßstab dafür sind, was im eigenen Haus sinnvoll ist. Wer beispielsweise häufig Gäste hat, die mehrere Tage bleiben, für den bietet es sich an, ein Bad mit Toilette und Dusche dort einzurichten, wo der Gast auch schlafen wird. Wer Gartenpartys bevorzugt und besonders viel Besuch im Sommer bekommt oder selbst häufig draußen rund ums Haus arbeitet, für den ist es sinnvoll, sich eine Toilette in der Nähe der Terrasse oder des Einganges einzurichten. Die Liste der Ideen ließe sich beinahe beliebig fortsetzen... Denken Sie mal über Ihre Vorlieben und Lebensgewohnheiten nach. Vielleicht, wenn Sie mal wieder mit sich alleine sind – am stillen Örtchen. Redaktion: Maria Theresia Kalem - Journalistin Norman Heimbrodt - Architekt |